„Ich bin jetzt in einem großen Gefängnis“

Das sind die Blumen, die R. F. seiner Frau zum Valentinstag schenken möchte.

Diesen Text hat uns R.F. geschickt. Er kann es nicht riskieren, ein Foto von sich oder seiner Familie zu veröffentlichen oder uns seinen Namen zu sagen,  denn seine Familie ist noch in Syrien. Er schreibt: „Sie können sich nicht vorstellen was der Geheimdienst und die Leute, die mit ihm arbeiten machen können, meine Familie hat mehr als genug Probleme.

Ich hatte ein Kinderkleidungsgeschäft in Syrien. Ich hatte mit meiner Familie ein ruhiges Leben, allerdings wurde ich unterdrückt vom Regime,weil ich kein Anhänger der Regierungspartei bin. Deswegen hatte ich weniger Rechte und Möglichkeiten und wurde immer diskriminiert. Als die Gewalt begann und die Sicherheitslage sich verschlechterte, sind viele geflüchtete Menschen in meine Stadt gekommen. Meine Reaktion war, dass ich diesen Leuten geholfen habe und viele Lebensmittel, warme Kleidung und Decken gesammelt habe.
Ich habe auch mit vielen Bekannten gegen das Regime demonstriert, deshalb wurden wir beleidigt und geschlagen. Dann wurde die Situation noch gefährlicher: Die Salafisten und Islamistischen Gruppen haben sich gezeigt. Was diese Gruppen gemacht haben?? Sie haben uns viele Nachrichten geschickt,s ie sagten, dass wir nicht akzeptiert sondern umgebracht werden, weil wir eine andere Religion haben und sie glauben dass wir mit dem Regime kämpfen wollten. Trotzdem waren wir mehr als 30000 Männer, die nicht mit dem Regime kämpften und deshalb verfolgt wurden.
Der Geheimdienst hat mich und meine Familie verfolgt: Jeden Tag kamen sie zu meinem Laden und sagten „du bist ein Verräter, du hilfst den Gegnern, du wirst eingesperrt werden“ auch Verwandte von mir haben mich diskriminiert und mein Name wurde auf die schwarze Liste gesetzt. Das bedeutet meine Beziehungen mit der Gesellschaft waren sehr schlecht geworden.
Viele Männer mussten töten, die einen von ihnen haben mit dem Regime gekämpft und getötet und die anderen haben mit der syrische Opposition gekämpft und getötet. Der Druck auf mich ist immer mehr gestiegen, meine Nachbarn und meine Verwandtschaft hatten Angst davor und sie reden nicht mehr mit mir, aber sie haben mir empfohlen, dass ich mich in einer militärischen Gruppe engagieren soll. Auf diese Weise hätte ich mich in Sicherheit bringen können, damit wären sie zufrieden gewesen. Ich hatte Angst davor und schließlich habe ich mich entschieden, Syrien zu verlassen. Meine Reise begann und ich habe schlimme und gefährliche Situationen unterwegs erlebt.

Endlich bin ich mit großen Hoffnungen nach Deutschland gekommen. Ich dachte, ich habe wie die andere Flüchtlinge, die vor mir kamen das Recht meine Familien wieder zu treffen. Leider wurde ich enttäuscht und bekam nur den subsidiären Schutz. Damit konnte ich meine Familie nicht zu mir holen, sondern musste bis März 2018 warten. Das bedeutet, ich konnte nichts für die Sicherheit meiner Familie tun. Meine Kinder werden diskriminiert und mussten von einer Schule zu einer anderen Schule wechseln, die Lehrerinnen und Lehrer sagten meinen Kindern, dass ihr Vater ein Verräter ist und die Kinder haben immer Angst davor.

Ich bin jetzt in einem großen Gefängnis, das heißt Deutschland und meine Familie ist immer noch in Syrien. Sie können nicht in ein anderes Land gehen, Libanon, Jordanien, Irak, Türkei überall machen sie die Grenze zu. Ich kann nicht nach Syrien gehen und ich habe kein Recht meine Familie hierher zu bringen. WAS SOLL ICH TUN ???
Ich habe die Sprache gelernt und ich habe gearbeitet. Danach hat die Sachbearbeiterin im Jobcenter mir empfohlen eine Weiterbildung zu machen. Jetzt mache ich eine Weiterbildung als Sprachmittler.
In Deutschland habe ich gelernt, was Grundrechte sind: Freiheit, Männer und Frauen haben das Recht, in Würde und Freiheit von Hunger und der Furcht vor Gewalt,Unterdrückung oder Ungerechtigkeit ihr Leben zu leben und ihre Kinder zu erziehen.

R.F.

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